Mit dem 24mm f1.8 bringt Rollei bereits das dritte lichtstarke Vollformat-Objektiv auf den Markt. Nach dem Rollei 85mm f1.8 und dem 35mm f1.8 zeichnet sich ein klarer Trend ab: preislich attraktive Objektive, die im Alltag viel richtig machen, sich aber bewusst nicht als perfekte High-End-Lösungen positionieren.
Ich nutze das Rollei 24mm f1.8 nun seit mehreren Wochen und habe es vor allem für Video eingesetzt. In vielen meiner letzten Clips war dieses Objektiv bereits im Einsatz, sowohl draußen bei winterlichen Temperaturen als auch im Studio. Genau dieser Praxiseinsatz zeigt recht schnell, wo die Stärken des Objektivs liegen und an welchen Stellen man kleine Abstriche machen muss.
Verarbeitung und Ausstattung
Wer bereits das Rollei 35mm f1.8 oder 85mm f1.8 kennt, wird sich sofort zurechtfinden. Das 24mm ist nahezu baugleich. Tatsächlich musste ich mehrfach auf die Brennweitenbeschriftung schauen, um sicherzugehen, welches Objektiv ich gerade in der Hand habe.
Das Gehäuse besteht vollständig aus Metall, inklusive des Fokusrings. Die Verarbeitung wirkt sauber und hochwertig, nichts klappert oder wirkt billig. Zusätzlich gibt es einen AF/MF-Schalter, eine frei belegbare Funktionstaste sowie eine USB-Schnittstelle für Firmware-Updates. Eine leichte Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit ist ebenfalls vorhanden.

Optisch hat Rollei im Vergleich zu früheren Modellen nachgebessert. Auf die große Frontplakette wurde verzichtet, stattdessen gibt es ein dezentes, weißes Logo. Der typische orangefarbene Ring an der Front bleibt erhalten, wirkt hier aber deutlich unaufdringlicher. In dieser Preisklasse ist die gebotene Verarbeitung klar überdurchschnittlich.
Bildeigenschaften in der Praxis
Videoeinsatz
Das Rollei 24mm f1.8 ist für mich vor allem ein sehr starkes Video-Objektiv. Die Brennweite ist extrem vielseitig. Sie eignet sich hervorragend für Talking-Head-Videos, da man nah an der Kamera arbeiten kann und trotzdem genug Umgebung im Bild behält. Gleichzeitig funktioniert das Objektiv auch gut für Vlogs, kleinere Stativ-Setups oder freies Filmen aus der Hand.
Der Autofokus arbeitet zuverlässig und trifft sauber. Fokus-Breathing ist so gut wie nicht vorhanden, was das Objektiv besonders interessant für Video macht. Auch bei schwierigen Lichtsituationen bleibt das Bild kontrastreich und stabil.

Einziger klarer Kritikpunkt im Videoeinsatz sind die Fokusfahrten. Beim Verlagern des Fokus wirken diese teilweise etwas hektisch und ruckelig, selbst wenn in der Kamera eine langsame AF-Geschwindigkeit eingestellt ist. Für klassische Talking-Head-Aufnahmen ist das kein Problem, bei gezielten Fokuszügen kann es aber auffallen. Hier besteht Hoffnung, dass ein Firmware-Update noch nachbessert.
Fotoeinsatz
Fotografisch liefert das 24mm f1.8 insgesamt überzeugende Ergebnisse. Offenblendig ist die Schärfe bereits sehr gut. Im Nahbereich kann bei starken Kontrasten allerdings ein deutlicher Glow-Effekt auftreten. Dieser zeigt sich nur bei kurzen Distanzen und verschwindet zuverlässig, sobald man leicht abblendet oder etwas mehr Abstand zum Motiv hält.


Abseits davon überzeugt das Objektiv mit guter Kontrastleistung, solider Gegenlichtfestigkeit und nur minimalen chromatischen Aberrationen. In den äußersten Ecken können bei Offenblende leichte Farbsäume auftreten, die in der Praxis jedoch selten störend sind.
Eine Vignettierung ist vorhanden, fällt subjektiv aber schwächer aus als beim Rollei 35mm f1.8. Insgesamt wirkt das Bild ausgewogen und gut kontrollierbar, ohne unangenehme Überraschungen.

Fazit – für wen lohnt sich das Rollei 24mm f1.8 VAF?
Das Rollei 24mm f1.8 ist kein perfektes Objektiv, will das aber auch nicht sein. Stattdessen bietet es ein sehr starkes Gesamtpaket für alle, die ein lichtstarkes Weitwinkel zu einem fairen Preis suchen.
Besonders im Videoeinsatz spielt das Objektiv seine Stärken aus. Die Kombination aus vielseitiger Brennweite, kaum Fokus-Breathing, guter Schärfe und solider Verarbeitung macht es zu einem echten Arbeitstier für Content Creator. Die ruckeligen Fokusfahrten sind der größte Schwachpunkt, fallen aber nicht in jedem Einsatz ins Gewicht.
Fotografisch liefert das 24mm ebenfalls überzeugende Ergebnisse, solange man den Nahbereich und Offenblende bewusst einsetzt. Für Einsteiger, Budget-orientierte Fotografen oder als Ergänzung im Objektivpark ist das Rollei 24mm f1.8 eine echte Empfehlung.
In meiner Fototasche hat es definitiv einen festen Platz gefunden, vor allem für Video und als vielseitiges Immer-dabei-Weitwinkel.



