Ultraweitwinkel mit Autofokus sind im APS-C-Bereich noch immer eher selten. Vor allem dann, wenn sie bezahlbar bleiben sollen. Genau deshalb fand ich das 7Artisans 10mm f2.8 für Fuji X sofort spannend. Zehn Millimeter sind an APS-C schon ziemlich extrem und eignen sich vor allem für Architektur, enge Gassen, urbane Motive, Innenräume oder bewusst dramatische Perspektiven. Gleichzeitig ist so ein Objektiv aber auch anspruchsvoll. Die Ränder müssen halbwegs mithalten, Gegenlicht sollte vernünftig kontrolliert werden und die Verarbeitung darf bei einem Objektiv dieser Art ebenfalls nicht zu kurz kommen.
Nach meinen ersten Praxiseindrücken fällt das Urteil insgesamt positiv aus. Das 7Artisans 10mm f2.8 ist kein perfektes Objektiv, aber ein erstaunlich rundes Gesamtpaket für alle, die ein günstiges Ultraweitwinkel mit Autofokus für das Fuji-X-System suchen.
Verarbeitung und Ausstattung
Was beim 7Artisans 10mm f2.8 direkt auffällt, ist die wertige Verarbeitung. Das Gehäuse besteht größtenteils aus Metall und fühlt sich angenehm hochwertig an. Gleichzeitig ist das Objektiv überraschend leicht. Es wirkt nicht wie ein massiver Brocken, sondern eher wie ein kompakter Spezialist, der gut zu kleineren Fuji-Kameras passt und sich auch auf längeren Spaziergängen nicht störend bemerkbar macht.

Praktisch ist der seitliche Schalter für Autofokus und manuellen Fokus. Das ist in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit. Ebenfalls positiv ist die kleine Gummilippe am Bajonett. Von einer echten Wetterabdichtung würde ich hier zwar nicht sprechen, aber ein zusätzlicher Schutz an dieser Stelle ist trotzdem sinnvoll. Dazu kommt eine USB-Schnittstelle am Bajonett, über die sich Firmware-Updates aufspielen lassen. Gerade bei einem AF-Objektiv ist das ein Punkt, den ich inzwischen durchaus zu schätzen weiß.
Der Fokusring besteht nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff, läuft aber angenehm weich und mit einem guten Widerstand. Auch das passt insgesamt zum Eindruck des Objektivs. Interessant ist außerdem die Frontkonstruktion. Trotz gewölbter Frontlinse sitzt diese weit genug zurück, sodass sich normale Schraubfilter verwenden lassen. Das Filtergewinde liegt bei 62 mm. Für ein Ultraweitwinkel in dieser Klasse ist das definitiv ein Pluspunkt.

Bildqualität in der Praxis
Entscheidend ist bei einem Objektiv wie diesem natürlich die Bildqualität. Und hier hat mich das 7Artisans 10mm f2.8 durchaus positiv überrascht. Schon bei Offenblende liefert es in der Bildmitte eine ordentliche Schärfe. Das ist wichtig, denn genau bei solchen Brennweiten fotografiert man nicht immer nur geschniegelt vom Stativ, sondern oft spontan, unterwegs und bei wechselndem Licht.
Zu den größten positiven Überraschungen gehören für mich die chromatischen Aberrationen. Gerade bei einem so extremen Weitwinkel hätte ich im Gegenlicht oder an harten Kontrastkanten mit mehr Problemen gerechnet. Tatsächlich halten sich Farbfehler aber erfreulich stark zurück. Ganz verschwunden sind sie natürlich nicht, aber sie fallen im Alltag wenig auf. Wer etwas abblendet, bekommt das Ganze noch besser in den Griff.


Die Bildränder und Ecken sind offen sichtbar schwächer als die Mitte, was bei einem Objektiv dieser Art und in dieser Preisklasse wenig überrascht. Wirklich problematisch fand ich das aber nicht. Sobald man auf f5.6 abblendet, wird das Bild insgesamt deutlich homogener und dann macht das 7Artisans auch über weite Teile des Bildfelds einen ziemlich guten Eindruck. Für Landschaft, Architektur oder Stadtansichten würde ich ohnehin oft leicht abgeblendet arbeiten, sodass dieser Punkt in der Praxis weniger schwer wiegt, als er auf dem Papier vielleicht klingt.
Auch Verzeichnungen sind im normalen Einsatz kein großes Thema. Wer gezielt Testcharts oder Backsteinwände fotografiert, wird natürlich immer etwas finden, aber in typischen Alltagssituationen hat mich das Objektiv hier nicht gestört. Gleiches gilt für die Vignettierung. Sie ist bei Offenblende sichtbar, bleibt aber in einem Bereich, den ich persönlich sogar oft ganz angenehm finde. Gerade bei weitwinkligen Stimmungsbildern darf das Bild für mich ruhig etwas zum Zentrum hin geführt werden, solange es nicht übertrieben wirkt.


Gegenlicht und Flare
Ein besonders wichtiger Punkt bei Ultraweitwinkeln ist das Verhalten im Gegenlicht. Gerade hier trennen sich in der Praxis oft brauchbare von nervigen Objektiven. Beim 7Artisans 10mm f2.8 war ich positiv überrascht, wie gut sich Flares und Reflexionen in vielen Situationen kontrollieren lassen. Selbst bei direkter Sonne im Bild blieb das Ergebnis oft deutlich sauberer, als ich es von einem günstigen Ultraweitwinkel erwartet hätte.

Ganz frei von Gegenlichtartefakten ist das Objektiv natürlich nicht. Je nach Situation können Reflexionen sichtbar werden, und in manchen Lichtsituationen fällt das stärker auf als in anderen. Insgesamt würde ich aber sagen, dass sich das Objektiv gerade draußen im realen Einsatz besser schlägt, als man es anhand des Preises vermuten würde.
Autofokus und Handling
Beim Autofokus sollte man keine Wunder erwarten, aber genau das verlangt bei einem 10mm Objektiv vermutlich auch niemand ernsthaft. Der verbaute STM-Motor arbeitet nicht besonders schnell, aber zuverlässig genug für typische Einsätze wie Street, Architektur, Alltag oder Reise. Für ein Ultraweitwinkel reicht das vollkommen aus. Bei dieser Brennweite ist die Schärfentiefe ohnehin großzügig, sodass der Autofokus im Alltag selten an seine Grenzen kommt.
Das Handling gefällt mir insgesamt gut. Das Objektiv bleibt angenehm kompakt, wirkt hochwertig und macht an Fuji-Kameras einen stimmigen Eindruck. Gerade weil 10mm oft eher ein Zusatzobjektiv für spezielle Motive sind, finde ich es wichtig, dass so ein Objektiv nicht unnötig groß oder schwer ausfällt. Genau das bekommt 7Artisans hier gut hin.
Wo das 7Artisans 10mm f2.8 schwächelt
Ganz ohne Schwächen kommt das Objektiv allerdings nicht davon. Die Naheinstellgrenze fällt für ein Ultraweitwinkel eher durchschnittlich aus. Das schränkt die kreativen Möglichkeiten mit sehr nahen Vordergründen etwas ein. Auch das Bokeh ist wenig spektakulär. Wobei man fairerweise sagen muss, dass ein 10mm Ultraweitwinkel ohnehin nicht wegen seines Bokehs gekauft wird. Wer mit so einer Brennweite arbeitet, sucht in der Regel Weite, Perspektive und Raumwirkung, nicht cremige Hintergrundunschärfe.

Die sichtbar weicheren Ecken bei Offenblende gehören ebenfalls zu den Kompromissen. Für manche Motive ist das völlig egal, für andere sollte man besser etwas abblenden. Das ist am Ende kein K.o.-Kriterium, sondern eher der typische Hinweis darauf, wie man das Objektiv am sinnvollsten einsetzt.
Fazit: Für Fuji eine ziemlich spannende Budget-Option
Das 7Artisans 10mm f2.8 ist für mich ein gelungenes Ultraweitwinkel für das Fuji-X-System. Die Kombination aus Metallgehäuse, Autofokus, Filtergewinde, Firmware-Update per USB und insgesamt überzeugender Bildqualität ist in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich. Dazu kommt, dass chromatische Aberrationen und Gegenlichtprobleme erfreulich gut kontrolliert werden und die Schärfe in der Mitte schon offen absolut brauchbar ist.
Perfekt ist das Objektiv nicht. Die Ecken könnten bei Offenblende besser sein und die Naheinstellgrenze ist kein Highlight. Trotzdem bleibt unterm Strich ein Objektiv, mit dem man für vergleichsweise wenig Geld sehr viel Bildwinkel bekommt. Wer ein günstiges Superweitwinkel mit Autofokus für Fuji sucht und kein Fisheye möchte, sollte sich das 7Artisans 10mm f2.8 auf jeden Fall genauer ansehen.

