Nach dem positiven Eindruck des Rollei 85mm f1.8 erweitert Rollei sein Vollformat-Line-up um ein 35mm f1.8. Eine klassische Brennweite, die für viele Fotografen ein echter Allrounder ist – von Reportage über Porträt bis hin zu Alltagssituationen.
Ich konnte das Objektiv bereits vor Veröffentlichung nutzen und habe es nicht nur für dieses Video eingesetzt, sondern auch bei realen Shootings, unter anderem bei Porträts mit starkem Gegenlicht und sogar bei einer Hochzeit. Genau dieser Praxiseinsatz zeigt recht schnell, wo das Rollei 35mm f1.8 überzeugt – und wo man Abstriche machen muss.
Verarbeitung und Ausstattung
Optisch und haptisch orientiert sich das Rollei 35mm stark am 85mm. Das Design ist nahezu identisch und setzt auf eine dezente Retro-Anmutung. Das Gehäuse besteht vollständig aus Metall und fühlt sich wertig und robust an.

An Bord sind ein AF/MF-Schalter sowie eine frei belegbare Funktionstaste. Auf einen Blendenring muss man leider verzichten – dieser bleibt der Sony-Variante vorbehalten. Schade, denn gerade bei dieser Brennweite wäre das eine sinnvolle Ergänzung gewesen.
Positiv fallen die leichte Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit sowie das komplett aus Metall gefertigte Bajonett auf. Das Rollei-Logo ist nicht als große Plakette ausgeführt, sondern dezent eingelassen und weiß ausgelegt – eine kleine Änderung, die dem Objektiv optisch gut tut.
Bildeigenschaften in der Praxis
Eine der größten Stärken des Rollei 35mm f1.8 ist ganz klar das Verhalten bei Gegenlicht. Selbst bei harten Kontrasten und direkter Lichtquelle im Bild treten kaum bis keine chromatischen Aberrationen auf. Das ist in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich und macht das Objektiv besonders interessant für Porträts und Reportage.


Die Schärfe bei Offenblende ist ordentlich, aber nicht überragend. Statt einer knackscharfen Darstellung zeigt sich ein leichter Glow-Effekt, vor allem in hellen Bildbereichen und bei starken Kontrasten. Dieser Effekt wird sichtbar, wenn man stark ins Bild hineinzoomt, fällt im Gesamteindruck aber weniger negativ ins Gewicht.
Das Bokeh wirkt angenehm weich, sofern man extreme Highlights im Hintergrund vermeidet. Bei Blende f1.8 ist zudem eine deutlich sichtbare Vignettierung vorhanden, die sich durch Abblenden ab etwa f4 zuverlässig reduziert. Alternativ lässt sie sich problemlos in der Nachbearbeitung korrigieren.

Der Autofokus arbeitet zuverlässig und präzise. Er könnte etwas schneller sein, ist im Alltag aber absolut ausreichend – auch bei bewegten Motiven oder Porträtsituationen. Probleme mit Fehlfokus hatte ich in der Praxis nicht.


Fazit zum Rollei 35mm f1.8 VAF
Das Rollei 35mm f1.8 ist kein perfektes Objektiv, aber ein ehrliches. Seine größte Stärke liegt klar in der sehr guten Gegenlichtleistung und der insgesamt soliden Bildanmutung. Schwächen bei Offenblende und im Nahbereich sollte man kennen, sie sind in dieser Preisklasse aber gut einzuordnen.
Für Fotografen, die eine günstige 35-mm-Festbrennweite für Porträt, Reportage oder Alltag suchen und mit kleinen Kompromissen leben können, ist das Rollei 35mm f1.8 eine interessante Option. In Kombination mit dem zeitgleich erschienenen Rollei 24mm f1.8 bietet Rollei aktuell zwei sehr attraktive Ergänzungen für ein preisbewusstes Vollformat-Setup.
