Wer sich in den letzten Jahren neue Vollformatobjektive angeschaut hat, kennt den Trend: Immer mehr Lichtstärke, immer mehr Schärfe und leider auch immer mehr Gewicht. Viele Objektive bringen inzwischen 500 Gramm oder mehr auf die Waage und machen selbst kompakte Kameras schnell kopflastig.
Das neue 7Artisans AF 40mm f2.5 LITE verfolgt einen ganz anderen Ansatz. Mit gerade einmal rund 90 Gramm gehört es zu den kleinsten Autofokus-Objektiven für Vollformat überhaupt. Trotzdem bietet es einen Blendenring, einen AF/MF-Schalter, eine frei belegbare Funktionstaste und sogar einen USB-Anschluss für Firmware-Updates.
Für rund 140 Euro klingt das fast zu gut, um wahr zu sein. Ich habe das Objektiv einige Tage an Nikon Z ausprobiert und war dabei durchaus positiv überrascht. Ganz ohne Schwächen kommt das kleine 40mm allerdings nicht aus.
Verarbeitung und Ausstattung
Der größte Pluspunkt fällt schon beim Auspacken auf: Dieses Objektiv ist wirklich winzig. Selbst an einer Nikon Z6III wirkt es beinahe wie ein Pancake-Objektiv und verschwindet förmlich an der Kamera. Wer lieber leicht unterwegs ist oder seine Kamera häufiger mitnimmt, wird daran vermutlich viel Freude haben.

Trotz der kompakten Bauweise verzichtet 7Artisans erfreulicherweise nicht auf eine vernünftige Ausstattung. Neben einem angenehm gerasterten Blendenring gibt es einen AF/MF-Schalter sowie eine frei belegbare Fn-Taste. Gerade diese zusätzlichen Bedienelemente findet man in dieser Preisklasse längst nicht selbstverständlich. Zum Vergleich: Das Nikon Z 40mm f2 besitzt zwar die größere Offenblende, bietet aber weder einen Blendenring noch einen AF/MF-Schalter oder eine Funktionstaste.
Natürlich merkt man auch, wo gespart wurde. Das Gehäuse besteht fast vollständig aus Kunststoff und wirkt nicht besonders hochwertig. Angesichts des geringen Gewichts überrascht das allerdings kaum. Positiv fällt dagegen auf, dass das Bajonett aus Metall gefertigt ist und sich unter einer kleinen Abdeckung ein USB-Anschluss für Firmware-Updates befindet. Das kennt man inzwischen von vielen chinesischen Herstellern und ich finde diese Lösung nach wie vor sehr praktisch.
Bildqualität
Bei der Bildqualität hat mich das kleine 40mm mehr überrascht als erwartet. Vor allem die Schärfe in der Bildmitte ist bereits bei Offenblende f2.5 erstaunlich hoch. Für ein Objektiv dieser Preisklasse hatte ich ehrlich gesagt mit etwas weniger gerechnet.

Seinen Sweet Spot erreicht das Objektiv bei f5.6. Hier nimmt die Schärfe bis in die Bildecken sichtbar zu und gleichzeitig verschwinden viele der optischen Schwächen nahezu vollständig. Chromatische Aberrationen sind dann kaum noch ein Thema und auch die Vignettierung fällt deutlich geringer aus.
Gerade Letztere gehört allerdings zu den größten Schwächen des Objektivs. Bei Offenblende sind die Bildecken sichtbar abgedunkelt. Je nach Motiv kann das durchaus stören. Bei Portraits fällt es weniger auf und kann sogar angenehm wirken. Bei Architektur- oder Landschaftsaufnahmen hätte ich mir dagegen etwas gleichmäßigere Helligkeit gewünscht.

Auch Gegenlicht ist nicht unbedingt die Paradedisziplin des 40mm. Fotografiert man direkt in helle Lichtquellen, sinkt der Kontrast sichtbar und es treten deutliche Flares auf. Mit der mitgelieferten Gegenlichtblende lässt sich das etwas reduzieren, ganz vermeiden lassen sich diese Effekte jedoch nicht.
Das Bokeh gefällt mir dagegen durchaus ordentlich. Im Nahbereich entstehen angenehm freigestellte Motive, auch wenn der Hintergrund nicht ganz so ruhig wirkt wie bei deutlich teureren Objektiven. Mit einer Naheinstellgrenze von 40 Zentimetern eignet sich das Objektiv eher mäßig für kleine Details. Für Portraits ist es damit aber auf jeden Fall noch zu haben.


Praxiserfahrungen
Im Alltag zeigt sich schnell, wo die eigentliche Stärke dieses Objektivs liegt. Nicht maximale Lichtstärke oder perfekte Abbildungsleistung stehen im Vordergrund, sondern die Kombination aus geringem Gewicht und einfacher Handhabung.
Gerade auf einem Spaziergang durch Hamburg oder bei Familienausflügen macht das kleine Objektiv richtig Spaß. Die Kamera bleibt angenehm leicht und fällt kaum auf. Gleichzeitig liefert das 40mm eine Bildqualität, die für den Alltag und viele fotografische Situationen vollkommen ausreicht.
Persönlich würde ich das Objektiv vermutlich eher an kleineren Nikon-Z-Kameras einsetzen als an einer größeren Z6III. Dort harmoniert die kompakte Bauweise einfach besser mit dem restlichen System. Wer bereits mehrere lichtstarke Festbrennweiten besitzt, wird das 40mm vermutlich nicht als Hauptobjektiv verwenden. Als leichte Immer-drauf-Linse oder günstiger Einstieg in die Welt der Festbrennweiten kann ich mir das Objektiv dagegen sehr gut vorstellen.

Fazit zum 7Artisans 40mm f2.5
Das 7Artisans AF 40mm f2.5 LITE möchte keine High-End-Festbrennweite sein und genau darin liegt seine Stärke. Für rund 140 Euro bekommt man ein extrem kompaktes Vollformatobjektiv mit Autofokus, überraschend guter Schärfe, sinnvoller Ausstattung und einer Größe, die man im Alltag schnell zu schätzen lernt.
Natürlich muss man dafür Kompromisse eingehen. Das Kunststoffgehäuse wirkt einfach, die Vignettierung bei Offenblende ist deutlich sichtbar und auch Streulicht kann zum Problem werden. Wer damit leben kann, erhält jedoch ein Objektiv mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Ich würde mir zwar wünschen, dass 7Artisans zukünftig eine hochwertigere Metallversion dieses Konzepts entwickelt. Trotzdem zeigt das AF 40mm f2.5 LITE eindrucksvoll, dass gute Vollformatobjektive nicht zwangsläufig groß, schwer oder teuer sein müssen.
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