Als ich das erste Mal gelesen habe, dass Viltrox ein apochromatisches Objektiv für rund 420€ auf den Markt bringt, war ich ehrlich gesagt erstmal skeptisch.
APO klingt immer nach High-End. Nach teuer. Nach „das merkt man dann vielleicht im Labor“.
Und jetzt kommt Viltrox um die Ecke und sagt: Das geht auch deutlich günstiger.
Also bleibt eigentlich nur eine Frage: Funktioniert das wirklich?
Was bedeutet APO überhaupt?
Ganz kurz runtergebrochen:
Normales Objektiv
Unterschiedliche Lichtfarben werden von Linsen unterschiedlich gebrochen.
Das führt dann zu diesen typischen Farbfehlern, die man als Farbsäume oder Purple Fringing kennt.

Apochromat
Ein apochromatisches Objektiv soll genau das verhindern.
Die Farben treffen am Ende wieder am gleichen Punkt auf dem Sensor auf.

Klingt erstmal gut.
Die spannendere Frage ist aber: Sieht man das auch?
Keine Farbfehler. Wirklich gar keine.
Ich habe es ehrlich gesagt nicht geglaubt und gezielt nach Situationen gesucht, in denen solche Fehler normalerweise auftreten.
Gegenlicht, harte Kontraste, feine Strukturen.
Und ich habe nichts gefunden.

Keine Farbsäume, kein Purple Fringing, nichts im Bokeh, nichts in Unschärfeverläufen.
Auch nicht, wenn man stark reinzoomt.
Das ist tatsächlich der Punkt, an dem mich das Objektiv am meisten überrascht hat.
Nicht, weil es „gut“ ist, sondern weil es einfach komplett sauber bleibt.
Gerade in dieser Preisklasse ist das alles andere als selbstverständlich.

Verarbeitung und Ausstattung: Mehr als man erwartet
Auch beim Rest merkt man, dass Viltrox hier nicht einfach nur ein günstiges Objektiv bauen wollte.
Du bekommst:
- einen Blendenring, den du entklicken kannst
- eine Fn-Taste
- einen AF/MF-Schalter
- eine USB-C Schnittstelle für Updates
- und eine Abdichtung gegen Staub und Feuchtigkeit


Das Ganze wiegt rund 380 Gramm und ist damit angenehm kompakt.
Gerade an Kameras wie der Nikon Zf passt das optisch und vom Handling ziemlich gut zusammen.
Schärfe und Bokeh
Die Schärfe ist schon bei Offenblende absolut brauchbar.
Beim Abblenden legt das Objektiv nochmal zu, aber ehrlich gesagt habe ich es die meiste Zeit einfach bei f/1.8 genutzt.

Das Bokeh gefällt mir ebenfalls gut.
Es wirkt ruhig, ohne auffällige Strukturen oder harte Kanten.
Zum Rand hin sieht man einen leichten Katzenaugeneffekt, aber das ist bei solchen Objektiven völlig normal und fällt im Alltag kaum negativ auf.
Autofokus: Solide, aber nicht schnell
Der Autofokus ist so ein Punkt, bei dem man merkt, dass man sich hier nicht im High-End-Bereich bewegt.
Bei gutem Licht funktioniert er zuverlässig und trifft sauber.
Sobald es dunkler wird, kann es aber passieren, dass er kurz pumpt und insgesamt etwas langsamer wirkt.
Man sieht teilweise richtig, wie der Fokus zum Ziel fährt.
Für meine Art zu fotografieren ist das kein Problem.
Wer aber viel Action oder schnelle Motive fotografiert, sollte das im Hinterkopf behalten.

Focus Breathing: Für Video relevant
Was man ebenfalls nicht ignorieren sollte, ist das Focus Breathing.
Beim Fokussieren verändert sich der Bildausschnitt sichtbar.
Für Video kann das störend sein, für Fotografie ist es eher egal.
Mein Eindruck aus der Praxis
Ich habe das Objektiv bisher vor allem für Natur- und Detailaufnahmen genutzt.
Und genau da spielt es seine Stärke aus.
Saubere Übergänge, keine Farbfehler, ein angenehmes Bokeh.
Es ist kein Objektiv, das dich mit extremen Eigenschaften überrascht.
Aber es ist eines, das einfach sehr viele Dinge richtig sauber macht.

Fazit: APO für kleines Geld – und es funktioniert
Ich hätte nicht gedacht, dass das Ergebnis so deutlich ist, aber:
Das APO-Label ist hier kein Marketing. Das Objektiv hält tatsächlich, was es verspricht.
Natürlich ist nicht alles perfekt.
Der Autofokus ist eher durchschnittlich und das Focus Breathing ist deutlich sichtbar.
Aber die Bildqualität ist für den Preis wirklich stark.
Und vor allem: extrem sauber.
Wenn dir genau das wichtig ist, dann ist das Viltrox 55mm f/1.8 EVO definitiv einen Blick wert.