Pergear 25mm f1.7 für Fujifilm

Pergear 25mm f1.7 – manuelles Mini-Objektiv mit Retro-Charme – Erfahrungsbericht

Pergear ist mir noch in guter Erinnerung vom 35mm Vergleichstest. Dort war es das kleinste und günstigste Objektiv, das unterm Strich aber das beste Preis-Leistung-Verhältnis bot. Daher war ich sehr froh, als Pergear mir angeboten hat, ihr neues 25mm f1.7 zu testen. Eine durchaus universell einsetzbare Brennweite, besonders für Natur-, Landschafts- und Streetfotografie. Die Anfangsblende von f1.7 ist eher etwas ungewöhnlich, aber wahrscheinlich brauchten sie einen Grund, damit es sich vom bereits existierenden 25mm f1.8 unterscheidet. Also mehr als nur durch das Äußere.

Verarbeitung

Was als erste auffällt bei dieser Neuauflage, ist die Größe. Das Objektiv ist wirklich winzig. An meiner X-H2s wirkt es fast ein bisschen verloren. Ich kann es mir an einer X-T5 oder X-E4 wirklich sehr gut vorstellen. Die Kombination mit einer der Retro Kameras müsste eigentlich ein abgerundetes und handliches Gesamtpaket ergeben. Denn optisch macht das Pergear 25mm f1.7 wirklich was her, wie ich finde. Die Markierung für den Fokus hat eine kleine Ausbuchtung und eine rote Markierung, um den Fokusbereich anzuzeigen. Das ist ein schönes kleines Detail und unterscheidet das Objektiv klar von anderen.

Pergear 25mm f1.7 für Fujifilm X-Mount

Der Blendenring ist mit Klicks versehen, und bietet meiner Meinung nach genau den richtigen Kompromiss zwischen Leichtgängigkeit und Einrasten der Blende. Anzumerken ist allerdings, dass es hier keine Halbschritte bei der Blende gibt. Hier werden nur ganze Blendenstufen angeboten: f1.7, f2.8, f4, f5.6, usw. bis f22. Der Fokusring hingegen könnte etwas straffer sein, aber wirklich nur ein wenig. Trotz der Größe des Objektivs funktioniert die Bedingung erstaunlich gut. Ich bin es von den TTArtisan Objektiven nur gewohnt, dass die Blende ganz vorne verstellt wird, das ist hier andersherum und erforderte ein bisschen Umgewöhnung meinerseits.

Pergear Objektiv an Fujifilm X-H2s

Ein nettes kleines Detail gibt es noch auf dem Objektivdeckel. Hier wurde eine Struktur nachgeahmt, wie es sie früher auf vielen Objektivdeckeln der alten analogen Vertreter gab. Irgendwo fliegen hier bestimmt noch ein paar davon herum. Ich musste auf jeden Fall kurz schmunzeln, als ich das bemerkt habe.

Bildqualität

Dieses Objektiv kostet neu keine 80,- €. Die Erwartungen an die Bildqualität sollten also nicht allzu hoch ausfallen. Was ich bei solchen Modellen eigentlich schon immer einplane: Softe Offenblende, Flares, chromatische Aberrationen, schwacher Kontrast.

Einen Teil dieser Schwachstellen erfüllt das Pergear 25mm f1.7 dann auch auf extremste Weise. Ich kläre gerade noch mit dem Hersteller, ob das so Standard ist, oder an meinem Exemplar liegt. Denn wenn ich selbst an einem leicht bewölktem Tag Richtung Sonne fotografiere, dann wird das komplette Bild mit einem weißen Schleier überdeckt. Der ist erst ab Blende f4 bis f5.6 komplett verschwunden. Hier mal ein Beispiel (mit einem schlechten Motiv, sorry):

Blende f4

f4

Blende f1.7 (Nein, ich habe da keinen Schleier in Photoshop drüber gelegt und auch nicht die Belichtung völlig falsch gesetzt)

massiver flare bei f1.7

In so einer Ausprägung habe ich das noch nie erlebt, daher die Vermutung, dass hier irgendwas nicht stimmt. Evtl. wurde auf irgendeiner Linse die Vergütung vergessen. Dadurch ist auch insgesamt der Kontrast dieser Linse sehr schwach. Hier muss man schon ein wenig in der Nachbearbeitung nachhelfen, wenn man auf knallige Farben und starke Kontraste steht.

Kontrastarmes Foto mit dem PErgear 25mm f1.7
Weiches Bild bei Offenblende

Dafür fallen mir zwei andere Punkte auf, die Pergear hier ganz gut im Griff hat, für so eine günstige Linse.
Die Schärfe ist bei Offenblende gut nutzbar. Auch im absoluten Nahbereich. Detailaufnahmen mit viel Bokeh gehen also ganz gut mit dem Objektiv. Zudem bleibt das Bokeh schön weich, auch wenn wir bis auf f4 abblenden. Das macht es für mich gut einsetzbar für Naturaufnahmen im Garten, der jetzt im Frühling mit Blüten gerade zu überläuft. Die Bokeh Balls sind dabei allerdings nicht wirklich schön und haben bei Offenblende leichte “Spikes”, die das ganze etwas “fuzzy” aussehen lassen. Es gibt auch einen starken Katzenaugeneffekt zu den Ecken hin.

Naheinstellgrenze: 20cm

Auch chromatische Aberrationen sind hier gut kontrolliert, zumindest für diese Preisklasse. Man kann sie auf jeden Fall entdecken, wenn man sich die Bilder im Detail anschaut, aber sie springen einem nicht direkt ins Gesicht.

Weiches Bokeh, auch leicht abgeblendet

Fazit zum Pergear 25mm f1.7

Viele halten solche billigen Objektive für nutz- und sinnlos und meinen, damit könne man ja nicht professionell arbeiten. Ich halte solche Angebote für eine tolle Ergänzung für jedes Kamerasystem. Denn mit solchen Objektiven kann man sehr gut ausprobieren, ob einem die Brennweite überhaupt liegt, und ob man für den Look bzw. die Bildwirkung bereit wäre mehr Geld auszugeben. Um das herauszufinden, braucht man keinen Autofokus und auch nicht die allerbeste Bildqualität. Und kommt man damit gut klar, kann man später immer noch zum Viltrox 27mm f1.2 Pro greifen.

Von dem Standpunkt her macht das Pergear 25mm f1.7 einen guten Job. Einzig das Flaring verhalten bei Offenblende ist eine Zumutung. Sollte das tatsächlich bei jedem Exemplar der Fall sein, würde ich eher zu den Alternativen anderer Anbieter greifen, etwas dem Meike 25mm f1.8. Das sieht nicht ganz so cool und ist etwas schlechter verarbeitet, aber dafür ist die Offenblende nicht ganz so unbrauchbar bei Gegenlicht wie hier.

Nahaufnahme bei f5.6
Schärfe bei f5.6
Vergissmeinnicht
Maiglöckchen mit dem Pergear 25mm f1.7

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