Für meinen Nikon Zf Test konnte ich die Kamera rund zwei Monate im Alltag ausprobieren. Als Fujifilm-Fan wollte ich vor allem wissen: Kann mich eine Vollformatkamera mit klassischen Einstellrädern so sehr überzeugen, dass ich meine X-T4 dafür stehen lasse? Die Zf hatte dafür ziemlich gute Voraussetzungen. Und trotzdem habe ich sie am Ende zurückgeschickt, ohne einen Wechsel zu planen.
Besonders gut fasst das mein letzter Fotomorgen mit ihr zusammen. Zwischen Weihnachten und Neujahr war draußen alles von einer Reifschicht überzogen. Der Nebel lichtete sich langsam, am Fluss war Flut und vor Sonnenaufgang kam die erste Farbe in den Himmel. Eigentlich wollte ich noch verschiedene Objektive ausprobieren. Am Ende blieb fast den ganzen Morgen das kleine TTArtisan 50mm f2 an der Zf. Genau so hat mir diese Kamera besonders viel Spaß gemacht.
Transparenz: Nikon hat mir die Zf für den Test leihweise zur Verfügung gestellt. Anschließend ging sie zurück. Vielen Dank für die Möglichkeit, die Kamera so ausführlich auszuprobieren.
Dieser Bericht beschreibt meine Erfahrungen aus dem damaligen Test und den Vergleich mit meiner Fujifilm X-T4. Die Entscheidung gegen einen Wechsel bezieht sich auf diese Situation, nicht auf eine grundsätzliche Entscheidung gegen Nikon.
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Mein Nikon-Zf-Test als Video
Im Video nehme ich dich mit auf die letzte Fototour vor der Rückgabe. Dort findest du auch die Aufnahmen und meine Eindrücke direkt vom Fotografieren.
Verarbeitung: Ein Bauklotz, den ich gerne in die Hand nehme
Ich mag Retrokameras. In dieser Hinsicht hat die Nikon Zf bei mir leichtes Spiel. Das Gehäuse fühlt sich hochwertig an, die Einstellräder haben einen angenehmen Widerstand und die Kamera bringt genau das Gewicht mit, das ich bei so einem Gehäuse durchaus mag. Dass sie größer und schwerer als meine Fuji ist, hat mich deshalb gar nicht gestört.
Ergonomisch ist sie trotzdem ein ziemlicher Bauklotz. Beides kann gleichzeitig stimmen: Ich mag das massive Gefühl, auch wenn die Form nicht in jeder Situation besonders bequem ist. Mein Problem mit der Größe begann eher dann, wenn vorne noch ein großes Objektiv dazukam.
Display, Sucher und Bildstabilisierung haben mir ebenfalls sehr gut gefallen. Der Autofokus hatte mich im Test schon überzeugt und war für mich gegenüber meiner X-T4 ein klarer Fortschritt. Auf der letzten Tour stand allerdings das manuelle Fotografieren im Vordergrund. Die Bilder dieses Morgens sind deshalb kein Autofokus-Vergleich.
Klassische Einstellräder, aber ein anderes Bediengefühl
Grundsätzlich habe ich mich mit dem Layout der Zf gut zurechtgefunden. Belichtungszeit, ISO und Belichtungskorrektur liegen oben auf der Kamera, also dort, wo ich sie von meiner Fuji erwarte. Erst beim Benutzen fallen die Unterschiede auf.
Zum Beispiel bei der Arretierung: An meiner X-T4 drücke ich auf den Knopf und kann das entsprechende Rad damit sperren oder wieder freigeben. Diese frei wählbare Verriegelung mag ich. Bei der Zf funktionieren die Sperren abhängig von der Stellung des jeweiligen Rads. Das ISO-Rad muss beispielsweise zum Verlassen der C-Stellung entriegelt werden. Für mich fühlt sich die Fuji-Lösung im Alltag schlüssiger an.
Noch deutlicher wurde der Unterschied beim Belichtungszeitenrad. An meiner Fuji kann ich einen Wert am oberen Rad vorwählen und anschließend mit einem der Einstellräder fein nachregeln. Genau diese Kombination habe ich an der Zf vermisst. Zwischen 1/60 und 1/125 Sekunde wollte ich beispielsweise auch mal 1/80 oder 1/100 Sekunde wählen.
Die Zf kann diese Zwischenwerte natürlich einstellen. Dafür gibt es die Stellung 1/3 STEP, in der die Zeit über das hintere Einstellrad gewählt wird. Mich stört also nicht, dass die Zeiten fehlen. Ich möchte nur das beschriftete Rad oben weiter benutzen und zusätzlich fein korrigieren können. Die Funktionsweise beschreibt Nikon auch in der Referenzanleitung zur Belichtungssteuerung.
Ähnlich ging es mir mit dem separaten Schalter für die Belichtungsmodi. Er lässt sich schnell bedienen, aber die Automatikstellungen am Zeitenrad und am Blendenring meiner Fuji sind für mich logischer. Steht die Zf auf Zeitautomatik, kann ich am Zeitenrad drehen, ohne damit die Belichtungszeit vorzugeben. Technisch ist das korrekt. Mein an Fuji gewöhnter Kopf erwartet in dem Moment trotzdem etwas anderes.

Joystick, Fokuslupe und die kleinen Dinge im Alltag
Beim Verschieben des Fokusmessfelds habe ich an der Zf das Steuerkreuz benutzt. Das funktioniert, aber ich vermisse dabei den Joystick meiner X-T4. Es ist eine Kleinigkeit, die sich beim Fotografieren regelmäßig bemerkbar macht.
Mit dem manuellen TTArtisan kam noch die Fokuslupe dazu. An meiner Fuji rufe ich sie durch einen Druck auf das Einstellrad auf. Bei der Zf musste ich mit meiner damaligen Tastenbelegung weiter nach unten greifen. Das fand ich weniger angenehm. Allerdings muss ich fair bleiben: Ich hatte die Belegung nicht konsequent auf meine Arbeitsweise angepasst. Das war also auch ein Thema meiner Einrichtung und kein grundsätzlicher Fehler der Kamera.
Weniger gut gefallen hat mir außerdem der Zugang zur Speicherkarte unten im Akkufach. Für sich genommen wäre keiner dieser Punkte ein Grund gewesen, die Zf nicht zu kaufen. Im Video sage ich deshalb auch ausdrücklich: Bei einem guten Angebot würden mich diese Kleinigkeiten nicht davon abhalten.
Warum das TTArtisan 50mm f2 so gut zur Nikon Zf passt
Auf meiner letzten Tour hatte ich fast durchgehend das TTArtisan 50mm f2 montiert. Klein, manuell und optisch passend zum Gehäuse. Für mich war das eine der schönsten Arten, mit der Zf zu fotografieren.

Dabei muss ein Objektiv für mich nicht zwingend manuell sein. Autofokus nehme ich gerne mit. Ich wünsche mir vor allem eine kompakte Kombination, bei der Gehäuse, Objektiv und Bedienung zusammenpassen. Das TTArtisan trifft dieses Gefühl ziemlich gut, auch wenn es optisch seine Schwächen hat.
Wie es sich bei Schärfe, Bokeh und Gegenlicht schlägt, habe ich im TTArtisan 50mm f2 Erfahrungsbericht für Nikon Z ausführlicher beschrieben.
Die Objektive waren für mich entscheidender als die Kamera
Mein eigentliches Argument gegen einen Wechsel war die Kombination aus Kamera und Objektiven. Die lichtstarken Nikon-Z-Festbrennweiten, die mich damals interessiert haben, waren mir an der Zf zu groß. Gerade bei 50mm hätte ich gerne mehr Lichtstärke als f2 gehabt, ohne vorne gleich deutlich mehr Objektiv mitzunehmen.
Im Video halte ich zum Vergleich ein 56mm f1.2 für Fujifilm in die Kamera. Es ist größer als das kleine TTArtisan, bleibt für mich aber eine attraktive Kombination aus Lichtstärke und Abmessungen. Zur Einordnung: An APS-C entspricht der Bildwinkel ungefähr 84mm an Vollformat. Bei gleichem Bildausschnitt und vergleichbaren Aufnahmebedingungen entspricht die Schärfentiefe ungefähr f1.8 an Vollformat. Für die Belichtung bleibt es selbstverständlich ein f1.2-Objektiv.
Daraus würde ich keine pauschale Aussage machen, dass es für Nikon Z keine kompakten Objektive gibt. Entscheidend war für mich die damalige Auswahl an Brennweiten, Lichtstärken und Bauformen, die ich selbst nutzen wollte. Ein kleines Objektiv hilft mir wenig, wenn es nicht das bietet, was ich suche. Umgekehrt möchte ich eine optisch hervorragende Festbrennweite nicht automatisch mitnehmen, wenn mir die Kombination zu groß wird.
Auch Voigtländer hatte ich als mögliche Alternative im Kopf. Die Objektive waren für mich preislich aber eine andere Entscheidung als das günstige TTArtisan. Für einen Systemwechsel reicht mir deshalb die Begeisterung für ein Gehäuse allein nicht. Ich muss auch die passenden Objektive dafür haben wollen.
Bildqualität: Mit Fujifilm komme ich schneller zu meinem Look
Die Bildqualität der Nikon Zf hat mir gefallen. Trotzdem habe ich mich beim Bearbeiten mit den RAW-Dateien meiner Fujifilm wohler gefühlt. Mit meinem gewohnten Workflow bin ich dort schneller bei dem Look, den ich haben möchte. Mit Nikon komme ich ebenfalls dorthin, musste im Test aber mehr nacharbeiten.

Das ist mein persönlicher Eindruck aus der Bearbeitung und kein allgemeines Urteil darüber, welche Marke die besseren Farben liefert. Wer seit Jahren Nikon-Dateien entwickelt, kann das genau andersherum erleben. Für mich zählt aber auch, wie viel Arbeit zwischen dem Fotografieren und dem fertigen Bild liegt.
Deshalb war die Frage für mich nicht nur, ob Vollformat in einzelnen Punkten mehr leisten kann. Ich wollte wissen, welchen konkreten Vorteil ich in meinem Alltag bekomme. Die Zf hat mich als Kamera begeistert. Einen ausreichend großen Gewinn für meinen gesamten Ablauf habe ich gegenüber meiner vorhandenen X-T4 trotzdem nicht gesehen.

Fazit: Gern benutzt, trotzdem bei Fuji geblieben
Die Nikon Zf war eine Kamera, die ich nach der Rückgabe vermisst habe. Mir gefallen die Verarbeitung, das Gewicht, der Sucher und vor allem das Fotografieren mit einem kleinen, passenden Objektiv daran. Die Unterschiede bei Einstellrädern, Joystick und Tastenbelegung waren für mich eher kleine Reibungspunkte. Gegen einen Wechsel sprachen am Ende vor allem die Objektivkombinationen, die ich mir wünschte, und mein vertrauter Fujifilm-Workflow. Würde ich ohne vorhandenes System anfangen, könnte die Entscheidung anders ausfallen. Nach diesem Test hatte ich aber keinen ausreichenden Grund, meine X-T4 zu ersetzen.
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