Rollei Objektive im Test: Mit dem 24mm, 35mm und 85mm f1.8 habe ich inzwischen alle drei Autofokus-Festbrennweiten der Serie über längere Zeit an Nikon Z ausprobiert. Was mich dabei vor allem überrascht hat, ist nicht nur der günstige Preis. Verarbeitung, Ausstattung und optische Leistung sind bei allen drei Objektiven auf einem Niveau, das ich in dieser Preisklasse nicht unbedingt erwartet hätte. Perfekt sind sie trotzdem nicht.
In diesem Artikel geht es deshalb weniger um einen weiteren ausführlichen Einzeltest. Stattdessen möchte ich die Rollei-Serie als Ganzes einordnen, die Unterschiede der drei Brennweiten zeigen und erklären, welches Objektiv mir am besten gefällt. Wer tiefer einsteigen möchte, findet zu allen drei Objektiven einen eigenen ausführlichen Erfahrungsbericht.
Hinweis: Rollei hat mir alle drei Objektive kostenlos als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt. Auf meine Bewertung hat das keinen Einfluss. Mit einem * gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalte ich eine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.
Drei günstige f1.8-Festbrennweiten mit einem gemeinsamen Konzept
Dass Rollei überhaupt eigene Autofokus-Objektive anbietet, kam für mich zunächst ziemlich unerwartet. Die Marke war im Objektivbereich lange vor allem als Vertriebspartner von Viltrox bekannt. Umso interessanter finde ich, dass inzwischen mit 24, 35 und 85 mm eine kleine Serie lichtstarker Vollformat-Festbrennweiten unter dem eigenen Namen angeboten wird.
Getestet habe ich ausschließlich die Nikon-Z-Versionen. Die Sony-E-Varianten sind ähnlich aufgebaut, bieten allerdings zusätzlich einen Blendenring. Gerade den hätte ich auch bei Nikon gerne gesehen. Fairerweise muss man aber sagen, dass selbst viele originale Nikon-Z-Objektive wie das NIKKOR Z 50mm f1.8 S keinen klassischen Blendenring besitzen.

Verarbeitung: Für den Preis erstaunlich hochwertig
Eine der größten Stärken der Serie ist für mich ganz klar die Verarbeitung. Die Gehäuse bestehen aus Metall und haben eine leichte Retro-Optik, die meiner Meinung nach besonders gut zu Kameras wie der Nikon Zf passt. Auch der breite Fokusring besteht aus Metall. Das gefällt mir persönlich besser als eine Gummierung, die schnell Staub und Schmutz anzieht und nach vielen Jahren porös werden kann.
Dazu kommen bei allen drei Objektiven ein AF/MF-Schalter und eine Funktionstaste. Wirklich vermisst habe ich bei der Ausstattung daher nur den bereits erwähnten Blendenring. Meine Exemplare zeigen bisher auch nach längerer Nutzung keine auffälligen Gebrauchsspuren. Nichts quietscht, reibt oder kratzt und alle Bedienelemente funktionieren weiterhin so, wie sie sollen.
Das Metall hat allerdings auch einen Nachteil: Leichtgewichte sind die Rollei-Objektive nicht. Für mich geht das noch vollkommen in Ordnung, wer für eine kleine Vollformatkamera aber bewusst möglichst leichte Festbrennweiten sucht, sollte das im Hinterkopf behalten.
Ein kleines Luxusproblem gibt es ebenfalls: Die Objektive sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Selbst der orangefarbene Akzentring an der Front ist bei allen drei Brennweiten identisch und die Brennweitenangabe fällt ziemlich klein aus. Ich habe deshalb schon mehrfach zunächst zum falschen Objektiv gegriffen. Unterschiedliche Farben für den Akzentring wären hier eine einfache und meiner Meinung nach ziemlich praktische Lösung gewesen.
Bildqualität: Insgesamt gut, aber nicht ohne Unterschiede
Optisch gefällt mir die Serie größtenteils sehr gut. Besonders positiv ist mir aufgefallen, wie wenig Probleme die Objektive mit chromatischen Aberrationen und Längsfarbfehlern haben. Gerade bei starken Kontrasten und schwierigen Lichtsituationen ist das ein echter Vorteil. Bei günstigen lichtstarken Festbrennweiten ist das längst nicht selbstverständlich.
Wenn ich die drei Objektive rein nach meinem Gesamteindruck der Bildqualität sortieren müsste, wäre meine Reihenfolge: 85mm vor 24mm vor 35mm. Das bedeutet allerdings nicht, dass das 35mm schlecht ist. Die anderen beiden gefallen mir in bestimmten Punkten einfach etwas besser.
Rollei 24mm f1.8: Mein Video-Arbeitstier
Das Rollei 24mm f1.8 ist tatsächlich das Objektiv aus der Serie, das ich am häufigsten benutze. Nicht weil es optisch das beste wäre, sondern weil es einen Look erzeugt, den ich für meine Videos sehr gerne mag. 24 mm sind weit genug, um Umgebung zu zeigen, gleichzeitig sorgt f1.8 dafür, dass sich das Motiv trotzdem sichtbar vom Hintergrund lösen kann.
Die größte Schwäche zeigt sich bei Offenblende im Nahbereich. Hier verliert das Objektiv sichtbar an Kontrast und zeigt Blooming, das schnell wie mangelnde Schärfe wirkt. Gerade beim Filmen halte ich gerne einmal ein Produkt näher in die Kamera und genau dann fällt das auf. Abblenden hilft, kostet aber natürlich einen Teil der Freistellung. Mit etwas mehr Abstand entspannt sich die Situation deutlich. Ab ungefähr 1,5 Metern finde ich die Leistung wesentlich unproblematischer.


Beim Autofokus gibt es für Video ebenfalls eine kleine Besonderheit. Grundsätzlich arbeitet er zuverlässig, Fokusverlagerungen können beim 24mm aber etwas hektischer wirken als bei den beiden anderen Objektiven. Für viele meiner Aufnahmen ist das kein Problem, für bewusst langsame Fokusfahrten sollte man es aber wissen.
Rollei 35mm f1.8: Gut korrigiert, aber nicht meine Brennweite
Beim Rollei 35mm f1.8 muss ich etwas vorwegschicken: 35 mm gehören am Vollformat schlicht nicht zu meinen Lieblingsbrennweiten. Für mich ist das oft nichts Halbes und nichts Ganzes. Persönlich fühle ich mich eher bei 40 bis 50 mm zu Hause.
Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich zum 35er greife. Wenn 24 mm zu weit sind und ich etwas stärker freistellen möchte, ohne den Kontext komplett im Bokeh verschwinden zu lassen, funktioniert die Brennweite gut. Ein konkreter Einsatzbereich sind Hochformat-Reels. Steht man selbst vor der Kamera, bringen 24 mm im Hochformat häufig einfach zu viel Umgebung ins Bild.

Optisch hat das 35mm weniger mit den deutlichen Nahbereichsproblemen des 24ers zu kämpfen. Dafür gefallen mir bei bestimmten Motivabständen die Übergänge von scharf zu unscharf etwas weniger gut. Das Bokeh kann dadurch etwas unruhiger wirken. Das macht das Objektiv keineswegs unbrauchbar, in meinem persönlichen Ranking landet es dadurch aber knapp hinter dem 24er.
Ein kleiner Verarbeitungsmangel betrifft bei meinem Exemplar die Gegenlichtblende. Sie sitzt nicht hundertprozentig fest und kann montiert etwas klappern. Das passt nicht ganz zum ansonsten hochwertigen Eindruck, dürfte konstruktiv aber leicht zu beheben sein.
Rollei 85mm f1.8: Für mich das optisch beste der drei
Wenn es ausschließlich um die Bildqualität geht, gewinnt für mich das Rollei 85mm f1.8. Es liefert für mich die insgesamt beste Performance der Serie und ist ein Objektiv, zu dem ich gerne greife, wenn ich 85 mm brauche.
Gerade für Einsteiger halte ich das 85er für besonders spannend. Wer bisher hauptsächlich mit einem Standardzoom fotografiert hat, bekommt mit 85 mm und f1.8 sehr schnell einen sichtbar anderen Bildlook. Die starke Freistellung bei Porträts ist etwas, das sich deutlich von typischen Smartphone-Aufnahmen oder einem lichtschwachen Kit-Zoom absetzt.


Auch hier ist nicht alles perfekt. Bei starkem Gegenlicht können Flares auftreten und die Gegenlichtblende sitzt bei meinem Exemplar fast etwas zu straff. Manchmal lässt sie sich nur schwer wieder lösen. Eine Verriegelung mit Druckknopf, wie man sie von einigen anderen Objektiven kennt, würde mir hier besser gefallen.
Autofokus und Video: Gut, aber nicht lautlos
Der Autofokus aller drei Objektive ist für meine Arbeit schnell genug. Besonders beim Filmen gefallen mir beim 35er und 85er die weichen Fokusübergänge. Sie fahren sauber auf das neue Motiv und pumpen dabei nicht unnötig. Das 24er ist, wie bereits erwähnt, bei Fokusverlagerungen etwas hektischer.
Ein leichtes Focus Breathing ist vorhanden. Auch die Schrittmotoren sind nicht komplett lautlos. In einem ruhigen Innenraum kann man sie hören, draußen spielt das für mich deutlich weniger eine Rolle. Extrem laut sind die Objektive aber nicht.
Beim Filmen stören mich außerdem kleinere Kontrastverluste bei Offenblende oder Gegenlicht weniger als bei Fotos. Mir kommt es dort nicht auf das letzte bisschen Detail an, solange der Gesamteindruck stimmt. Genau deshalb benutze ich das 24mm trotz seiner optischen Schwäche im Nahbereich so häufig.
Welches Rollei f1.8 würde ich kaufen?
| Objektiv | Meine Einordnung | Besonders interessant für |
|---|---|---|
| 24mm f1.8 | Mein Video-Arbeitstier | Video, Content Creation, Weitwinkel mit Freistellung |
| 35mm f1.8 | Gut korrigierte Festbrennweite mit leichten Abzügen beim Bokeh | Reportage, Hochformat-Reels, vielseitige Festbrennweite |
| 85mm f1.8 | Portraitobjektiv mit toller Freistellung | Porträts und Einsteiger, die günstig in lichtstarke Festbrennweiten starten wollen |
Mein persönlicher Favorit im Alltag ist das 24mm, weil ich es besonders häufig für Video einsetzen kann. Rein optisch würde ich dagegen das 85mm wählen. Es ist für mich das rundeste Objektiv der Serie.
Gerade Einsteigern würde ich ebenfalls zuerst zum 85er raten. Wer bisher nur Zoomobjektive verwendet, kann damit für vergleichsweise wenig Geld ausprobieren, was eine lichtstarke Festbrennweite ausmacht. Und der Unterschied ist unmittelbar sichtbar. Ein weitwinkliges Landschaftsfoto kann heute auch ein Smartphone erstaunlich gut. Die Freistellung eines 85mm f1.8 lässt sich deutlich schwerer ersetzen.
Preis-Leistung: Hier liegt die eigentliche Stärke
Alle drei Objektive haben ihre kleinen Probleme. Entscheidend ist für mich aber, in welchem Preisbereich wir uns bewegen. Die Rollei-Festbrennweiten sind im Angebot teilweise bereits für rund 200 Euro zu bekommen. Für Vollformatobjektive mit Autofokus, Metallgehäuse, AF/MF-Schalter und Funktionstaste ist das ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Genau deshalb finde ich die Serie auch für Fotografen interessant, die bisher nur Zoomobjektive besitzen. Vielleicht deckt das vorhandene Zoom 24, 35 oder 85 mm bereits ab. Mit einem günstigen f1.8-Objektiv kann man trotzdem ausprobieren, wie sehr die größere Blendenöffnung den eigenen Bildstil verändert, ohne direkt viel Geld in eine Premium-Festbrennweite zu investieren.
Was ich mir von einer zweiten Generation wünsche
Viel müsste Rollei meiner Meinung nach gar nicht ändern. Einen Blendenring würde ich mir auch bei Nikon wünschen. Unterschiedliche Farben der Akzentringe könnten helfen, die nahezu identischen Objektive schneller auseinanderzuhalten. Bei den Gegenlichtblenden dürfte Rollei ebenfalls noch etwas nachbessern: Beim 35er sitzt sie mir zu locker, beim 85er eher zu straff.
Spannender als eine überarbeitete Version der vorhandenen Objektive fände ich allerdings eine Erweiterung der Serie. Ein weiteres klassisches 50mm f1.8 brauche ich persönlich nicht unbedingt. Eine etwas ungewöhnlichere Brennweite wie ein 100mm f2.8 würde die Serie meiner Meinung nach deutlich interessanter ergänzen.
Fazit: Die Rollei Objektive haben mich positiv überrascht
Mit der f1.8-Serie hat mich Rollei insgesamt positiv überrascht. Ich hätte vor einiger Zeit nicht unbedingt damit gerechnet, einmal drei Autofokus-Festbrennweiten mit Rollei-Schriftzug regelmäßig an meinen Nikon-Kameras einzusetzen. Inzwischen hat sich vor allem das 24mm bei meinen Videos einen festen Platz erarbeitet, während das 85mm für mich optisch das überzeugendste Objektiv der Reihe ist.
Perfekt sind die drei nicht. Das 24er schwächelt offen im Nahbereich, das 35er gefällt mir beim Bokeh nicht in jeder Situation und auch Details wie die Gegenlichtblenden könnten besser gelöst sein. Dem gegenüber stehen eine sehr gute Verarbeitung, eine sinnvolle Ausstattung, erstaunlich wenige Farbfehler und Preise, die besonders im Sale schwer zu ignorieren sind.
Für mich ist genau das die Stärke der Serie: Man bekommt keine kompromisslosen High-End-Objektive, sondern sehr viel Objektiv fürs Geld. Wer seine ersten Erfahrungen mit lichtstarken Festbrennweiten machen möchte oder einfach eine günstige Ergänzung für sein Vollformat-System sucht, sollte sich die drei Rollei-Objektive definitiv ansehen.