Micro Four Thirds Erfahrungen: Warum ich MFT falsch eingeschätzt habe

Meine ersten echten Micro Four Thirds Erfahrungen mit der OM System PEN: Bildqualität, Freistellung, Dynamikumfang und warum ich MFT lange falsch eingeschätzt habe.

Meine ersten echten Micro Four Thirds Erfahrungen haben mit einem ziemlich simplen Vorurteil angefangen: Der Sensor ist kleiner als APS-C und deutlich kleiner als Vollformat, also müsste man diesen Unterschied doch auch klar in meinen Bildern sehen. Weniger Dynamikumfang, weniger Möglichkeiten zur Freistellung und schneller Probleme, sobald das Licht schlechter wird. Natürlich sind die technischen Unterschiede zwischen den Sensorformaten real, aber ich habe daraus jahrelang eine Schlussfolgerung gezogen, die ich nie wirklich selbst überprüft hatte. Erst als ich länger mit der OM System PEN unterwegs war, habe ich gemerkt, wie wenig einige dieser Punkte bei meiner tatsächlichen Fotografie eine Rolle spielen.

Der Moment, an dem mir das besonders deutlich wurde, war ausgerechnet ein Morgen, an dem ich überhaupt nicht fotografieren gehen wollte. Ich war auf dem Weg ins Büro, hatte die PEN und ein paar kleine MFT-Objektive ohnehin im Rucksack und musste eigentlich nur zum Bus. Bei mir auf dem Dorf geht es rechts zur Haltestelle und links hinaus zu Feldern, Wald und einem kleinen See. Über den Feldern lag an diesem Morgen allerdings so viel Nebel, während sich am Horizont bereits der Sonnenaufgang ankündigte, dass ich mich spontan für links entschieden habe. Ein paar Stunden später hatte sich mein Blick auf Micro Four Thirds deutlich verändert.

Transparenz: Die OM System PEN habe ich im Rahmen meiner Arbeit bei Calumet ausprobiert. Dieser Artikel ist keine bezahlte Kooperation mit OM System. Der Calumet-Link im Artikel ist ein Affiliate-Link.

OM System PEN bei Calumet ansehen*

* Affiliate-Link: Bei einem Kauf erhalte ich eine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.

Warum ich Micro Four Thirds lange skeptisch gesehen habe

Micro Four Thirds war für mich lange ein ziemlich großer blinder Fleck. Natürlich hatte ich schon MFT-Kameras in der Hand, auf Messen damit herumgespielt oder einzelne Aufnahmen gemacht. Wirklich mehrere Tage mit einem solchen System unterwegs zu sein, verschiedene Situationen damit zu fotografieren und anschließend die RAW-Dateien in Ruhe zu bearbeiten, ist aber etwas anderes. Genau das hatte ich vorher nie gemacht.

Trotzdem hatte ich eine recht klare Vorstellung davon, wo die Grenzen liegen müssten. Ich fotografiere privat viel mit Fujifilm und bin APS-C entsprechend gewohnt, während ich beruflich regelmäßig auch aktuelle Vollformatkameras teste. Im direkten Vergleich wirkt MFT dann schnell wie das kleinere Format, bei dem man zwangsläufig Kompromisse eingehen muss. Technisch ist daran auch nicht alles falsch, denn ein größerer Sensor bringt unter vergleichbaren Bedingungen Vorteile. Mein Fehler war eher, aus diesen messbaren Unterschieden automatisch deutlich schlechtere Fotos abzuleiten. Genau diese Annahme wollte ich eigentlich nie bewusst testen, bis die PEN für einige Zeit bei mir gelandet ist.

OM System PEN Kamera MFT

Der Morgen begann mit Hasen im Nebel

Noch bevor die Sonne aufgegangen war, habe ich auf einem Feld einige Hasen entdeckt. Durch den dichten Nebel waren sie teilweise kaum mehr als dunkle Silhouetten und für klassische Wildlife-Fotografie war meine Ausrüstung an diesem Morgen ohnehin nicht ideal. Auf der PEN steckte lediglich ein kleines 75mm F1.8. Der Bildwinkel entspricht an Micro Four Thirds ungefähr einem 150-mm-Objektiv an Kleinbild, trotzdem ist das Objektiv erstaunlich kompakt.

Mehr Brennweite hätte ich in diesem Moment natürlich gerne gehabt, aber genau darin liegt gleichzeitig einer der Vorteile des Systems. Das kleine 75er war eben im Rucksack und deshalb konnte ich die Fotos machen. Ein deutlich größeres Tele hätte ich an einem normalen Arbeitstag vermutlich gar nicht erst eingepackt. Die Bilder selbst sind keine spektakulären Wildlife-Aufnahmen geworden, dafür waren die Tiere zu weit entfernt und das Licht zu schwach. Die Stimmung des Morgens haben sie aber sehr gut eingefangen, und genau das war der erste Moment, an dem meine bisherigen Vorstellungen von MFT ein wenig ins Wanken gerieten.

Ich hatte erwartet, in einer solchen Situation deutlich schneller das Gefühl zu bekommen, dass die Kamera irgendwie an ihre Grenzen kommt. Stattdessen habe ich mir die Bilder angesehen und mochte sie einfach, weil sie die richtige Stimmung eingefangen haben. Plötzlich war die Frage, ob ein größerer Sensor technisch mehr Reserven gehabt hätte, gar nicht mehr besonders wichtig.

Hasen Silhouetten im Nebel
Hasen im Nebel MFT auch bei schlechtem Licht

Sonnenaufgang, Nebel und die Sache mit dem Dynamikumfang

Kurz danach kam die Sonne langsam über den Horizont und ich bin weiter zu einem kleinen Fluss gefahren. Dort passte an diesem Morgen ziemlich viel zusammen: Der Nebel hing noch über dem Wasser, die Sonne stand tief und die Wolken wurden von unten warm angeleuchtet. Gleichzeitig war das eine typische Situation, in der ein Sensor gefordert wird. Rund um die Sonne waren die Lichter sehr hell, während Teile des Vordergrunds noch tief im Schatten lagen.

Gerade beim Thema Dynamikumfang hatte ich bei Micro Four Thirds deutlich stärkere Einschränkungen erwartet. Deshalb habe ich dort auch die HDR-Funktion der PEN ausprobiert. Die Kamera kombiniert mehrere Belichtungen direkt intern und gibt mir anschließend ein RAW aus, mit dem ich weiterarbeiten kann. Für mich ist genau das einer der interessanteren Ansätze von OM System: Statt ausschließlich über Sensorgröße zu argumentieren, versucht das System viele Situationen mit Computational Photography praktisch zu lösen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass sich physikalische Unterschiede einfach wegprogrammieren lassen. Ein größerer Sensor kann unter vergleichbaren Bedingungen weiterhin mehr Reserven bieten. In der Praxis ist für mich aber viel entscheidender, ob ich am Ende das Foto bekomme, das ich machen wollte. Und bei diesen Aufnahmen war das eindeutig der Fall. Als ich später am Rechner saß, hatte ich jedenfalls nicht das Gefühl, plötzlich mit problematisch eingeschränkten Dateien arbeiten zu müssen.

Foto direkt aus der Kamera MFT
Normale Aufnahme aus der Kamera
HDR Direkt aus der Kamera MFT
HDR Aufnahme direkt aus der Kamera – aus der Hand, ohne Stativ

Natürlich könnte ich MFT, APS-C und Vollformat unter identischen Bedingungen gegeneinander antreten lassen, Schatten mehrere Blenden hochziehen und anschließend bei 100 Prozent nach Unterschieden suchen. Dann würde man schnell welche finden. Ob diese dann wirklich in der Praxis relevant sind, ist nochmal eine ganz andere Geschichte. An diesem Morgen waren sie es jedenfalls nicht.

Kann man mit MFT überhaupt vernünftig freistellen?

Ein weiteres meiner Vorurteile betraf die Freistellung. Später am Morgen hatte ich hauptsächlich ein 25mm F1.8 auf der Kamera, also ungefähr den klassischen 50-mm-Bildwinkel. Bei gleichem Bildausschnitt und vergleichbaren Bedingungen ermöglicht ein größerer Sensor grundsätzlich eine geringere Schärfentiefe. Irgendwann hatte sich daraus bei mir allerdings die deutlich pauschalere Vorstellung entwickelt, dass man mit Micro Four Thirds kaum vernünftig freistellen könne.

Gerade bei den Nahaufnahmen am Wasser und im Wald hat sich diese Vorstellung ziemlich schnell erledigt. Wenn der Abstand zum Motiv klein genug und der Hintergrund entsprechend weit entfernt ist, lässt sich auch mit MFT eine klare Trennung erzeugen. Besonders bei einem Blatt auf dem Wasser gefällt mir das Ergebnis sehr gut, weil der Hintergrund weich genug wird, ohne dass das Bild komplett in Unschärfe zerfällt.

Freistellung bei f1.8 mit Micro four thirds
Freistellung mit 25mm f1.8 bei f2.2 mit Micro Four thirds

Genau an solchen Beispielen merke ich, wie schnell technische Diskussionen im Internet zu absoluten Aussagen werden. Aus „ein größerer Sensor kann stärker freistellen“ wird irgendwann „mit MFT geht keine Freistellung“. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Aussagen. Für meine Art zu fotografieren hat mir an diesem Morgen jedenfalls nichts gefehlt.

Warum die kleinen Objektive für mich wichtiger sind als der kleine Sensor

Der vielleicht überzeugendste Punkt an Micro Four Thirds ist für mich inzwischen gar nicht die Kamera selbst, sondern das gesamte System davor. Ein kleiner Body bringt mir persönlich wenig, wenn vorne anschließend wieder ein großes und schweres Objektiv hängt. Bei MFT können dagegen auch die Objektive wirklich kompakt bleiben.

Das 75mm F1.8 ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Ich bekomme einen Bildwinkel, der ungefähr 150 mm an Kleinbild entspricht, ohne dafür ein großes Tele mitnehmen zu müssen. Ähnlich sieht es beim 25mm F1.8 aus, das kaum Platz im Rucksack beansprucht. Gerade bei einem spontanen Morgen wie diesem macht das einen Unterschied, denn ich hatte die Sachen nicht dabei, weil ich einen großen Fototrip geplant hatte. Sie waren einfach im Rucksack.

Und genau da wird Größe für mich interessanter als die Diskussion um ein paar theoretische Prozent Bildqualität. Eine Kamera, die ich tatsächlich mitnehme, kann mir mehr bringen als ein technisch überlegenes System, das zu Hause bleibt.

OM System PEN: Die Kamera hinter meinen MFT Erfahrungen

Die OM System PEN war die Kamera, mit der ich zum ersten Mal wirklich länger in Micro Four Thirds eingetaucht bin. Für diesen Artikel soll sie trotzdem nicht zum eigentlichen Hauptthema werden, denn einen klassischen Kameratest wollte ich daraus bewusst nicht machen. Interessanter fand ich, wie gut sich die Kombination aus kleinem Gehäuse, kompakten Objektiven und den typischen OM-System-Funktionen im Alltag ergänzt.

Besonders spannend finde ich dabei die Computational-Photography-Funktionen. Live ND hatte ich beispielsweise bereits vorher auf dem Hamburger Dom ausprobiert und konnte damit die Bewegung der Fahrgeschäfte direkt in der Kamera länger belichten. An der Nordsee hatte ich die PEN dagegen einfach bei einem Familienausflug dabei, weil das komplette Set kaum Platz benötigt. Dort habe ich nichts getestet und keine besonderen Motive gesucht, sondern die Kamera einfach benutzt. Genau solche Situationen passen für mich sehr gut zu dem Konzept.

Auch optisch gefällt mir die PEN ausgesprochen gut. Bei der Bedienung bin ich allerdings weniger begeistert, weil ich mir passend zum klassischen Design auch ein etwas klassischeres Bedienkonzept wünschen würde. Meine Fujifilm-Kameras liegen mir in dieser Hinsicht weiterhin besser. Das ist einer der Gründe, warum aus meiner positiven Erfahrung mit MFT nicht automatisch ein Systemwechsel wird.

Wetterfeste OM System PEN
OM System PEN bei Calumet ansehen*

* Affiliate-Link: Bei einem Kauf erhalte ich eine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.

Meine Erfahrungen vor diesem Morgen waren schon gut

Ganz unvorbereitet kam meine positive Erfahrung an diesem Morgen allerdings nicht. Ich hatte die PEN vorher schon auf dem Hamburger Dom und an der Nordsee benutzt. Auf dem Dom fand ich vor allem Live ND interessant, weil sich damit Lichtspuren und Bewegung unkompliziert umsetzen lassen. An der Nordsee war dagegen schlicht die Größe entscheidend, denn bei einem Familienausflug möchte ich nicht unbedingt mit einer großen Fototasche unterwegs sein.

Beide Einsätze hatten mir bereits gezeigt, dass das System angenehm unkompliziert sein kann. Der Morgen mit Nebel und Sonnenaufgang war aber der Moment, an dem die Bildqualität selbst für mich stärker in den Vordergrund rückte. Dort hatte ich mehrere Situationen, bei denen ich vorher mit klaren Nachteilen gerechnet hätte, und musste feststellen, dass diese in meinen fertigen Bildern deutlich weniger relevant waren als gedacht.

Live ND Langzeitbelichtung MFT OM System
Ausflug mit Familie und Kamera Micro four Thrids MFT

Würde ich deshalb von Fujifilm auf Micro Four Thirds wechseln?

Nein, zumindest aktuell nicht. Interessant ist für mich aber, dass dieses Nein kaum etwas mit der Bildqualität zu tun hat. Ich mag die Bedienung meiner Fujifilm-Kameras sehr, kenne das System gut und bin bereits mit passenden Objektiven ausgestattet. Ein kompletter Wechsel müsste mir deshalb einen ziemlich klaren Vorteil bringen, damit er wirtschaftlich und praktisch sinnvoll wäre.

Auch preislich ist Micro Four Thirds nicht automatisch die günstige Alternative, nur weil der Sensor kleiner ist. Gerade bei aktuellen Kameras kann das Preisniveau durchaus hoch sein. Würde ich heute aber komplett neu anfangen oder bewusst ein möglichst kleines System für Reise, Alltag und Landschaft suchen, würde ich MFT deutlich ernster nehmen als noch vor diesem Test.

Das ist für mich wahrscheinlich die wichtigste Veränderung: Die Kamera hat es zwar nicht geschafft mich zum Wechsel zu überzeugt, aber das System hat es geschafft, einige meiner bisherigen Vorurteile zu zerlegen. Das ist doch auch immerhin etwas.

Mein Fazit nach den ersten echten Micro Four Thirds Erfahrungen

Sensorgröße ist nicht egal und ich würde auch nach diesem Test nicht behaupten, dass MFT in jeder Situation genauso leistungsfähig ist wie größere Formate. Was ich allerdings deutlich anders sehe, ist die Bedeutung dieser Unterschiede für meine eigene Fotografie. Ich hatte sie vorher wesentlich höher eingeschätzt, als sie sich in der Praxis tatsächlich gezeigt haben.

Der neblige Morgen ist dafür ein gutes Beispiel. Ich hatte eine kleine Kamera und zwei kleine Objektive dabei, bin spontan vom Weg zur Arbeit abgebogen und habe Bilder mitgebracht, die ich wirklich mag. Genau deshalb fällt es mir heute schwerer, ein Kamerasystem nur anhand seiner Sensorgröße einzuordnen.

Die sinnvollere Frage ist für mich inzwischen nicht mehr, welches Format theoretisch das beste ist, sondern ob eine Kamera für die Bilder reicht, die ich damit machen möchte. Bei Micro Four Thirds hätte ich diese Frage früher wahrscheinlich vorschnell beantwortet. Nach diesem Morgen lautet meine Antwort deutlich anders: Ja, für sehr viel mehr, als ich gedacht hätte.

Schnappschuss mit der OM System PEN MFT Kamera
(Visited 1 times, 1 visits today)
Total
0
Shares
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Vorheriger Artikel
Brightin Star 85mm f1.8 für Nikon Z im Praxistest

Brightin Star 85mm f1.8 Test: Warum mehr ausgeben?

zusammenhängende Posts